ARTIKEL „Ruhe und Sinn vor, während und nach Corona. Wie wir Kraft aus unserem Sein und Tun schöpfen“

Stressfrei?

Wer wünscht sich das nicht? Vor Corona war es die Rastlosigkeit unseres Arbeitslebens, der Freizeit- und Sozialstress, mittlerweile ist es die Organisation von Home Office und des zu Hause seins – oder der Versuch auf Online umzustellen, was Stress verursacht. Das Grundgefühl „Stress“ hat sich mit Corona nicht verändert. Deutlicher noch als vorher klopfen alte Bekannte während einer Krise wie dieser an die eigene innere Tür: Integrität, Freundschaften und Sinnhaftigkeit sind wichtig für unser Wohlgefühl und wirken dem Gefühl von Stress, Rast- und Ratlosigkeit entgegen.

Wir hätten es schon fast vergessen – aber vielleicht sind qualitative Konnektivität, Aufmerksamkeit und Selbst-Bewusst-Sein doch etwas mehr als nur Softskills und authentische zwischenmenschliche Beziehungen essenzieller als geglaubt?

Was wir also während Corona besonders gut über uns selbst lernen können.

Aufmerksamkeit, zuhören, innehalten, plaudern, vertiefen: Diese Qualitäten wollen kultiviert und gepflegt werden. Kultuvieren und pflegen heißt: Tun. Denn die bloße Erkenntnis und Bedürfnis nach Lebensqualität verändert das Leben und Empfinden selbst nicht. „Selbstsorge“ ist das Stichwort nach Cornelia Bruell, Philosophische Praktikerin in Baden, die oft mit ihren Gästen über das Leben und dessen Erfüllung spricht. „Entschleunigen und zentrieren kann mich zum Beispiel ein täglicher Reflexionsprozess, in dem ich in ein Tagebuch die für mich zentralen Lebensfragen notiere. Hier reichen schon 5 Minuten aus. Oder ein Spaziergang der ausschließlich der Wahrnehmung oder den eigenen Gedanken dient,“ meint sie.

Eine entspannte Grundhaltung der Ruhe ist also erlernbar. Genauso wie Aufmerksamkeit selbst. Dazu sind Denkpausen wichtig, um die eigenen Gedanken und Bedürfnisse wahrnehmen zu können. Die Empfehlung von Tina Draszczyk, eine der ersten MBSR Trainerinnen Österreichs lautet: „Nimm dir jeden Tag etwas Zeit für dich selbst.“ Denn Selbstsorge, Aufmerksamkeit und Achtsamkeit liegen nah zusammen. Sich selbst besser kennen zu lernen ist auch für unsere Beziehungen und Kontakte wichtig, dem zweiten großen Thema, in dem wir Wohlgefühl und Qualität genießen und erleben möchten.

„Auch Beziehungen haben nur dann Qualität, wenn ich ganz da bin.“ Die Frage nach dem Zusammenleben ist nach Cornelia Bruell ebenso wichtig wie die Innenschau und der regelmäßige Rückzug. „Der Mensch ist generell ein Wesen, das sich in Beziehungen aufspannt: zu sich, zum Anderen, zur Welt“, meint sie. Zwischenmenschliche Achtsamkeit oder IMP, Interpersonal Mindfulness Program, ist auch ein Gebiet, in dem Tina Draszczyk sehr gern arbeitet, denn „in der Dynamik des Lebens liebevoll im Miteinander präsent zu sein, ist ein großes Geschenk.“ 

Was heißt es nun aber Sinnhaftigkeit? Ruhe und gemeinschaftliche Momente haben die Qualität, den Genuß und auch die Bedeutung, den Sinn, den wir selbst ihnen geben. Doch die Frage, was Qualität und Ruhe für uns jeweils bedeutet, muss jede und jeder sich selbst stellen und beantworten. „Zu einer Antwort gelangen wir jedoch erst, wenn wir uns nicht mehr vom Leben hin und hergerissen fühlen“, sagt Cornelia Bruell dazu. „Zentral ist ein Gefühl der Kohärenz und Selbstbestimmtheit, der Möglichkeit das eigene Leben zu gestalten und zu verstehen,“ meint auch Tina Draszczyk, wenn es um Sinn und Ruhe geht.

Es gibt also viele Wege und Möglichkeiten, um unser bewusstes Erleben in und nach dieser Zeit wieder zu entdecken, in der wir permanent auf digitalem Wege kommunizieren müssen und physische soziale Abstinenz von uns verlangt wird. Mit diesen Möglichkeiten kommt auch die Verantwortung aufmerksam und bewusst zu sein,
zuzuhören und mit sich selbst und anderen gut umzugehen – etwas mehr als nur Softskills.

Vielen Dank an dieser Stelle an Tina Draszczyk und Cornelia Bruell für ihre Bereitschaft zu einem Interview zum Thema Ruhe.

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